Umbruch und Erneuerung – Eine Zeitreise in die 1920er Jahre

Sie hießen „golden“, sie waren radikal, stilbildend und sind bis heute faszinierend – die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Gemeinsam mit öffentlichen und privaten Leihgebern dokumentiert die Schau das Lebensgefühl der Zeit in Kunst und Kultur und behält dabei immer den niederrheinischen Alltag im Blick. Denn jenseits der kulturellen und politischen Metropole Berlin war auch das Leben am Niederrhein alles andere als beschaulich.

Französische und belgische Truppen waren nach Ende des Ersten Weltkrieges am linken Niederrhein stationiert, die Unruhen des „Ruhrkampfs“ im Jahr 1920, die alliierte Ruhrbesetzung und die Sezessionsbestrebungen der „Rheinischen Republik“ im Jahr 1923 sorgten in der von Inflation und Wirtschaftskrise erschütterten preußischen Rheinprovinz für Turbulenzen.

Auch in Grevenbroich kam es zu einem politischen Mord: der Arbeiter Josef Lang, Mitglied und Funktionär der kommunistischen Partei, wurde im Dezember 1923 ermordet, doch die Tat wurde nie aufgeklärt. Mit der Einführung der Rentenmark und späteren Reichsmark stabilisierte sich das Wirtschaftsleben auch am Niederrhein und mit dem ökonomischen Aufschwung folgte der Ausbau der Braunkohleförderung und der Aluminiumindustrie in unserer Region. Aber auch wichtige infrastrukturelle Projekte im Straßenbau, der öffentlichen Versorgung und des sozialen Wohnungsbaus prägten die zweite Hälfte der 1920er Jahre.

1925 gab eine Ausstellung der Kunsthalle Mannheim der Malerei nach dem Expressionismus ihren Namen: Neue Sachlichkeit. Bis zum Ende der Weimarer Republik 1933 sollte sie die prägende Kunstrichtung bleiben. Telegrafenmasten, Verkehrszeichen, Straßenbahnen, Autos, Fabriken – ein sachlicher Blick auf die moderne Infrastruktur zeichnet die ausgewählten Arbeiten von Vertretern der „Neuen Sachlichkeit“ aus der Sammlung Frank Brabant, Wiesbaden aus.

Mit der Hinwendung zum Gegenständlichen und zu überlieferten Formen wie Stillleben, Landschaftspanoramen, Stadtporträts, Aktmalerei suchten die hier ausgewählten Künstlerinnen und Künstler, die der klassizistisch–konservativen Ausrichtung der „Neuen Sachlichkeit“ zuzurechnen sind, jenseits des Expressionismus ihre individuelle Formensprache.

Das Museum der Niederrheinischen Seele, Villa Erckens dankt sehr herzlich dem Sammler Frank Brabant, Wiesbaden für die Möglichkeit dieser Auswahl sowie dem Stadtmuseum/Stadtarchiv Langenfeld für die kooperative Zusammenarbeit.

Die Ausstellung läuft bis 04. Juli 2021.

Grafik: Otto Möller, Bahnhofsplatz in Steglitz, Öl auf Sperrholz, 1928, Sammlung Frank Brabant, Copyright: Nachlass Otto Möller.