Knollige Ansichten im Dachgeschoss der Villa Erckens

Vom 25. Januar bis zum 30. April 2023

Das neue Jahr beginnt mit einer neuen Ausstellung im Museum der Niederrheinischen Seele: “Erdäppel und Tuffel – Künstlerisches & Historisches rund um die Kartoffel”. Als seltene Zierpflanze landete sie zunächst in den ersten botanischen Gärten Europas gegen Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Schön, selten und exotisch erschien die „Solanum tuberosum“ den Zeitgenossen. Ihr Weg in die weltweiten Speisepläne hatte sie noch längst nicht angetreten: gefährlich war das hochgiftige überirische Kraut der Kartoffel, das zunächst in den Verzehr ging, zahlreiche Opfer forderte und ihr noch 2022 den Titel „giftigste Pflanze des Jahres“ bescherte.

Der besondere Geschmack der nahrhaften, vitaminhaltigen und unteririsch gedeihenden Knolle war noch unentdeckt, doch bereits 1621 rund 50 Jahre nachdem die Pflanze in Spanien nachgewiesen wurde und rund ein Vierteljahrhundert nach ihrer Kultivierung in England, schrieb der Benediktinerabt Caspar Pautz Kochrezepte rund um die Kartoffel nieder. Die Tartuffel – wie sie im 17. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum noch hieß und damit an italienische und lateinische Wortwurzeln erinnerte – stieß, trotz enthusiastischer Landesherren wie dem Markgrafen Christian von Bayreuth, auf die Skepsis der Bauern. Dass das ursprünglich aus dem Andenraum Lateinamerikas stammende Nachtschattengewächs schon bald Europas Hunger würde stillen können, bedurfte noch des gesamten 18. Jahrhunderts. Legendär ist die „Circular Ordre“ des Preußenkönigs Friedrich II., der seinen preußischen Untertanen, die dort erst seit 1738 zögerlich angebaute Feldfrucht, in besonderer Weise „begreiflich“ machen sollte.

Aber bereits im 19. Jahrhundert stand die Kartoffel ganz oben auf den Speiseplänen: gleichwohl war der Siegeszug dieser Nahrungsmittelmonokultur mit verheerenden Folgen verbunden: Die Kartoffelfäule führt im Irland der Jahre 1845 bis 1848 zu großen Missernten und zu einer landesweiten Hungersnot, die nicht nur mehr als eine Million Menschenleben kostete, sondern in der Folge eine millionenstarke Auswanderung in die Vereinigten Staaten einleitete. Heute ist das widerstands- und anpassungsfähige Gewächs nahezu auf dem gesamten Erdball zu finden. Auf mehr als 18 Mio Hektar werden rund um den Globus rund 376 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet und allein in Deutschland, dem sechstgrößten Kartoffelproduzenten und dem drittgrößten Exporteur sind mehr als 270.000 Hektar dem Kartoffelanbau gewidmet. Auf den fruchtbaren Lößböden rund um Grevenbroich gedeiht die Kartoffel nicht nur für die Zubereitung im Kochtopf, sondern auch als Industriekartoffel für Pommes und Chips. Seit 1968 schließlich werden in Wevelinghoven Chips hergestellt, deren Kartoffeln aus den unmittelbaren Anbau der Region stammen.

Die Ausstellung „Erdäppel und Tuffel – Künstlerisches & Historisches rund um die Kartoffel“, die vom 25. Januar bis zum 30. April 2023 im Dachgeschoss der Villa Erckens zu sehen ist, wirft literarische und historische Schlaglichter und reflektiert mit den Arbeiten des Düsseldorfers Erwin Nöthen (1935-1922) und der Leverkusenerin Jutta Schmücking die besondere kreative Kraft dieser Nutzpflanze. Mit der Arbeit von Marielle Petersen und Anno Windscheid sind im Rahmen der ausstellungsbegleitenden Publikation “Kartoffeln verdichtet” zahlreiche literarische Quellen rund um die Kartoffel aus fünf Jahrhunderten zusammengetragen worden.

Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 25. Januar 2023 um 19.30 Uhr

Neue Sonderausstellung in der Villa Erckens: Jömmich nee …

Sonntag, 04. Dezember 2022 bis Sonntag, 05. März 2023

Am 04. Dezember 2022 öffnet eine neue Sonderausstellung der Künstlerin Margarete Schopen-Richter ihre Tore im Museum der Niederrheinischen Seele, Villa Erckens. Unter dem Titel Jömmich nee … werden den Besucherinnen und Besuchern Malereien, Collagen und Installation präsentiert, die in manch einem zahlreiche und womöglich längst vergessen geglaubte Erinnerungen wecken werden.

“Margarete Schopen-Richter ist eine Sammelnde, eine Bewahrende. So habe ich sie jedenfalls kennengelernt, als sie in der Galerie Schloss Neersen in Willich, informelle Malerei , Collagen (,Bilder) und Installationen ausstellte. […] Berührend vor allem ihre Installationen von alten Dingen, Möbelstücken, Überbleibseln, Resten, Bruchstücken, Fetzen – Kleinigkeiten oft, arrangiert und in Beziehung gesetzt – zueinander, zu sich als Künstlerin, zu uns als Betrachtende. Mit jedem dieser Artefakte sind Erinnerungen verbunden; Erinnerungen an das einstige Zuhause, das infolge des Braunkohletagebaus längst nicht mehr existiert; Erinnerungen an das meist als ärmlich empfundene bäuerliche Leben in der Nachkriegszeit, an Situationen und Begegnungen, an die Familie, Verwandte, an Menschen, die ihr begegneten. Margarete Schopen-Richter sammelt und bewahrt all diese Erinnerungen, aber auch die damit verbundenen Gefühle wie Verletztheit, Scham, Trauer, Glück, die in der Vergangenheit  auf ihr lasteten. die bis heute noch teils auch auf ihr lasten. Lange fehlten ihr die Worte für all das, wie sie selbst einmal sagte. Nun hat Margarete Schopen-Richter Worte gefunden und versteht es, auch damit zu berühren […]”, so schreibt Katharina Salice-Stephan M.A. in ihrem Vorwort der ausstellungsbegleitenden Publikation Jömmich nee … über die Künstlerin.
Diese enthält mehr als 50 kleine Geschichten von den Lebensumständen in den 1950er-Jahren: “[…] von einer verschwundenen Heimat, von Orten, Plätzen, Flecken, die es längst nicht mehr gibt; von einer Zeit, die vergangen ist und dabei doch noch so gegenwärtig sein kann. […] Jömmich nee … Man glaubt den tiefen Seufzer der Oma zu hören, schaudert unter ihrem tadelnden Blick, ihrer unversöhnlichen Haltung, wie sie die junge Enkelin empfindet. Wir spüren die Sehnsucht des kleinen Mädchens nach Anerkennung, ihre Scham wegen des vermeintlich ärmlichen Lebens auf dem Hof, erleben ihre Demütigung der öffentlichen Rüge im Kindergarten. Ebenso durchleben wir mit der Autorin aber auch die unbeschwerten Momente des Glücks und tiefer Zufriedenheit, wenn es zum Beispiel nach Ablieferung der Ernte Quarkbrote mit Omas selbstgebackenem Brot und frischem Rübenkraut gibt […]. In ihren Texten bedient sich Margarete Schopen-Richter der Sprache ihrer Kindheit, ihres Zuhauses, ihrer Heimat. […] Ganz zu schweigen vom Utzerother Platt.”

Die Ausstellungseröffnung findet am 04. Dezember 2022 um 12 Uhr statt. Anschließend kann die Ausstellung bis zum 05. März 2023 im Museum Villa Erckens besichtigt werden.

Öffnungszeiten:
Mi., Do., Sa. und So. jeweils von 13 Uhr bis 17 Uhr
Fr. von 09 Uhr bis 13 Uhr

Ausstellungsbegleitende Lesungen im Museum:
Sonntag, 11.12.2022 um 14.30 Uhr / Eintritt: 4 €
Sonntag, 08.01.2023 um 14.30 Uhr / Eintritt: 4 €
Sonntag, 29.01.2023 um 14.30 Uhr / Eintritt: 4 €
Sonntag, 12.02.2023 um 14.30 Uhr / Eintritt: 4 €
Sonntag, 05.03.2023 um 14.30 Uhr / Eintritt: 4 €

Infos: 02181-608656 oder
Web: www.maschori.de

Foto: Margarete Schopen-Richter

Die Publikation wurde gefördert von:

 

 

 

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